Die Geschichte der Sankt Marien Kirche ab 1193
1193 oder 1206 erbaut als
Marien-Kapelle nach noch nicht sicher
bestätigten chronistischen Aufzeichnungen aus
dem vorigen Jahrhundert (1193 auch Stiftung des
Klosters Mildenfurth bei Wünschendorf durch
Heinrich den Reichen) 15. Jahrhundert Turm,
Altarraum und ältester Teil des jetzigen
Langhauses im spätgotischen Stil errichtet
aus Falkaer Sandstein (wie Schloß Tinz und
Rathaus Gera). Die verhältnismäßig
stumpfe Form der Altarraum-Fensterbogen und deren
Unterteilungen erinnern an die hessische
Frühgotik (Südseite des Wetzlarer Domes
und Marburger Elisabeth-Kirche). Deshalb
gelegentlich auch noch die Behauptung, daß
der Chorraum aus früherer Zeit stamme.
Gotische Merkmale
Gewölbe im Chorraum mit sechskappigem
Schlussjoch und vierkappigem Westjoch;
charakteristischer Triumphbogen; in der Ostwand
hinter dem Altar (bis 1882 in NO-Wand) die
sogenannte "Blende", ursprünglich wohl
Sakramentsschrein, später Aufbewahrungsort
des Bornkindl, der "Puppe", eines angeblich
wundertätigen Marienbildes, das erst 1882,
weil völlig verfallen, beseitigt wurde; unter
der Blende ein ausgehöhlter Stein, der
wahrscheinlich einen Opferstock aufnahm. An der
Rückseite des 1883 neu geschaffenen
Altartisches ist ein Stück eines
spätgotischen Kleeblattbogen-Frieses, dessen
Spitzen in Giebelblumen enden, eingemauert. Die
Längsachse zwischen Chorraum und Schiff ist,
wie in vielen alten Kirchen, gebrochen. Über
die Gründe hierfür besteht keine volle
Klarheit. In Sakristei Spitzbogentür mit sich
kreuzendem Stabwerk und alte gotisch verzierte
Säule, die vor 1882 als Treppenuntersatz
diente; ursprünglicher Zweck unbekannt. Turm
mit Rechteckfenstern und zwei sich kreuzenden
Satteldächern, die an den vier
charakteristischen Giebeln gotisches
Blendmaßwerk von sich schneidenden
Schweifbogen und kleeblattbogigem und
passförmigen Füllungen tragen und durch
einen schlanken, beschieferten Dachreiter
gekrönt sind.
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